Beim St. Pöltner Autor Ingolf Wöll nachgefragt Themen:Dachverbände Ingolf Wöll präsentierte sein Buch "Wir bewegen Menschen". - Foto: zVg Von: Heinz Harauer 18. November 2015 DACHVERBÄNDE: Das Buch „Wir bewegen Menschen“ vom St. Pöltner Autor Ingolf Wöll erschien anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums der SPORTUNION Österreich. Ingolf Wöll, der Jahrzehnte lang den Sport in Niederösterreich, aber speziell in St. Pölten als Sportler, Funktionär und Mitautor des Dokumentar-Buches „Sport in St. Pölten“ hautnah mitprägte und auch dokumentierte, zeigt mit seinem Buch interessante Einblicke in die christliche Turn- und Sportbewegung Österreichs. www.lokalsport.info hatte den Autor zu einem ausführlichen Interview gebeten. Wölls Buch erschien anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums der SPORTUNION Österreich. Werbung LOKALSPORT: „In deinem Buch mit den Geschichte(n) der christlichen Turn- und Sportbewegung Österreichs ist vermerkt, dass man aus den Aufzeichnungen über die Vergangenheit auch Erkenntnisse für die Zukunft ableiten kann. Kannst du ein konkretes Beispiel nennen?“ WÖLL: „Erfahrene Sport-Experten sind der Meinung, dass verschiedene UNION-Projekte zumeist keine Nachhaltigkeit sowohl für das allgemeine Sportgeschehen als auch für die SPORTUNION aufweisen. Die Gesamtmitgliederzahl der SPORTUNION ist laut Sportjahrbuch in den letzten Jahren zurückgegangen. Da stimmt was nicht – zumal es gut geführte Vereine gibt, die respektable Steigerung ihrer Mitgliederzahlen aufweisen. Eine genaue Erfassung der Mitgliederzahlen, getrennt nach Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern ist längst fällig. Ich musste in meinem Buch eine Hochrechnung aus Zahlen der SPORTUNION NÖ anstellen.“ LOKALSPORT: „Es macht den Eindruck, dass sich die SPORTUNION im Vergleich zum ASVÖ kaum um den Spitzensport kümmert und sich in erster Linie als Serviceverband für die Vereine sieht?“ WÖLL: „Die SPORTUNION hat sich vorrangig dem Breiten-, Gesundheits- und Erholungssport verschrieben. In ihren Reihen stehen auch erfolgreiche Hochleistungssportler, die in erster Linie von den Fachverbänden betreut und gefördert werden. Ich meine allerdings, dass die Zusammenarbeit mit den Fachverbänden verstärkt werden muss, dazu ist eine genaue Analyse der Vereinsstrukturen erforderlich. Die SPORTUNION ausschließlich als Sportdienstleister zu sehen ergibt ein falsches Bild. Sie versucht immer wieder, wenn der Zeitgeist es auch nicht verlangt, auf ihre selbstgewählten Werte aufmerksam zu machen. Zugegeben, vielleicht zu wenig. Vor allem in der Lehrgangsarbeit müsste wieder mehr darauf geschaut werden.“ LOKALSPORT: „Immer wieder wird von Vordenkern und Leuten, die sich um die Zukunft des Sports in Österreich Gedanken machen, die Abschaffung der Dachverbände gefordert.“ WÖLL: „Viele dieser Vordenker meinen, wenn sie Sport sagen, nur den Spitzensport und vergessen, dass die Dachverbände neben den Fachverbänden hervorragende Arbeit für den Gesundheits- und Breitensport leisten. Sie haben seit 1945 für eine Vielfalt im Österreichischen Sportgeschehen gesorgt. Das steht fest. Dass sie auf einem Weg in Richtung Zusammenarbeit sind wird von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Wenn Neudenker gute und praktikable Ideen haben, die zu einer Verbesserung im Österreichischen Sportwesen führen, sollte man ihnen zuhören. LOKALSPORT: „In andereren Ländern gibt es keine Aufteilung nach Dachverbänden.“ WÖLL: „Die Sportgeschichte Österreichs reicht bis in die Monarchie, bis ins 19. Jahrhundert zurück, und hat einfach eine andere Entwicklung erfahren im Vergleich zu anderen europäischen Staaten. Das alles kann in meinen neuen Büchern nachgelesen werden.“ LOKALSPORT: „Wie viele Bücher wurden schon verkauft?“ WÖLL: „Es gab 1.500 Vorbestellungen. Wie viele Bücher über den Fachhandel verkauft wurden, ist mir nicht bekannt. Das Buch „Wir bewegen Menschen“ kann sowohl beim Residenz Verlag als auch im Buchhandel bestellt werden und kostet 20 Euro. Teil eins kann kostenfrei bei amazon heruntergeladen werden.“ LOKALSPORT: „Hat es Kritikpunkte zu deinem Buch gegeben? WÖLL: „Natürlich. Zumeist waren sie positiv. Auf 256 Seiten fehlen viele Namen von Sportlern und Funktionären, die es verdient hätten erwähnt zu werden und die ich auch gerne angeführt hätte, aber das Buch, das zusammen mit dem 1. Teil weit über 400 Seiten mit über 700 Fotos zählt, musste in der Endredaktion stark gekürzt werden. LOKALSPORT: “ Wird es ein weiteres Buch von dir geben? WÖLL: „Das glaube ich nicht, aber ich habe vor, noch einige Begebenheiten aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Franz Plamoser, ein Turner der Christlich-deutschen Turnerschaft, wurde 1933 im Alauntal bei Krems bei einem Terroranschlag ermordet. Seine Gedenkstätte wurde 1938, nach dem sogenannten Einmarsch, vernichtet. Ich möchte mehr darüber wissen.“ LOKALSPORT: „Danke für das Gespräch.“ Werbung Landestag des ASKÖ Niederösterreich