Chancengleichheit für „Große“, Hoffnung für „Kleine“

Johannes Keferböck (li.), Julian Wagner, Organisator Robert Zitta, Simon Wagner und Martin Fischerlehner. - Foto: Manfred Binder
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MOTORSPORT. Unter dem Titel 33. Int. Lietz Sport Jännerrallye 2018 kehrt die Traditionsrallye wieder in den heimischen Motorsportkalender der AMF  zurück.

Jubelstimmung im Mühlviertel. Nach zwei Jahren der Abwesenheit feiert die Jännerrallye ein Comeback in der österreichischen Staatsmeisterschaft. Und eines ist schon vor dem Startschuss in die neue Saison klar. Es wird wohl für keinen der Teilnehmer eine klare Sache, sondern die Zeichen stehen eher auf Ausgeglichenheit. Die Abwesenheit der bedingt durch die langen Schnee- und Eispisten rund um Freistadt zu teuren World Rallye Cars wird durch gleich acht R5-Boliden (also die unmittelbare Vorstufe zu einem WRC) wettgemacht und verspricht somit einen vielversprechenden Chancengleichstand unter den Spitzenpiloten. Garniert wird das Spektakel noch durch zahlreiche Local Heroes, die bedingt durch die Streckenkenntnis auch in motorisch schwächeren Fahrzeugen mit Topplatzierungen spekulieren.

Die R5-Armada wird angeführt vom Steirer Niki Mayr-Melnhof, der mit seinem Ford Fiesta nach Freistadt kommt. Der Meisterschaftsdritte des Vorjahrs zählt heuer wohl zu den großen Titelfavoriten, wenngleich er diese Rolle bei der Jännerrallye in Abrede stellt: „Ich bin in Freistadt noch nie gefahren und glaube, dass man auf Grund der Besonderheit der Rallye doch einiges an Erfahrung dort braucht. Deshalb sind die vielen Lokalmatadore, auch jene in motorisch schwächeren Autos, sicherlich im Vorteil.“ Die Oberösterreicher Gerald Rigler, Martin Fischerlehner, Johannes Keferböck und Gerhard Aigner sitzen im selben Fabrikat wie Mayr-Melnhof.

Gerald Rigler sieht ganz klar Mayr-Melnhof vorne: „An ihm wird kein Weg vorbei führen. Ich persönlich wäre mit einem Top-five-Platz zufrieden.“ Der Freistädter Martin Fischerlehner will noch mehr: „Wir sind gut aufgestellt, egal bei welchen Bedingungen. Das gesamte Team ist top motiviert, das Auto hat eine sensationelle Straßenlage, damit kann ich mich mit der Oberliga messen. Ich will eine gute Leistung abrufen und vorne mitfahren.“ Gerhard Aigner aus Vorchdorf ist ein Jännerrallye-Kenner: „Da ist immer alles möglich, vom statistisch gesehen leichten Ausfall bis zu einem Platz im Spitzenfeld. Ich persönlich habe einen Platz unter den ersten Fünf im Visier. Aber ich kenne bei der Jännerrallye besonders auch die starke Konkurrenz von guten Fahrern in schlechteren Autos.“ Alles auf sich zukommen lassen, ist die Devise von Johannes Keferböck. „Ich fahre mein Rennen, setze mir auch keine Ziele, was die Positionierung betrifft. Obwohl ich natürlich weiß, was das Auto kann. Und genau das stimmt mich optimistisch.“

Mit Spannung darf man auch dem Start von Sebastian Kletzmayr entgegensehen. Der junge Windischgarstener holte letztes Jahr bei der enorm stark besetzten Waldviertel-Rallye mit einem Mitsubishi Evo VII den tollen neunten Gesamtplatz. In Freistadt sitzt Kletzmayr jedoch in einem bärenstarken Skoda Fabia R5 aus dem Hause BRR des 14-fachen Staatsmeisters Raimund Baumschlager. Der in Deutschland lebende Tiroler Hans-Peter Haid bringt einen der seltenen Hyundai i20 R5 an den Start und der niederösterreichische Evergreen Walter Mayer vervollständigt mit seinem Peugeot 208 R5 die Liste der modernsten Boliden beim Saisonauftakt.

In der Nennliste der Jännerrallye 2018 wimmelt es auch von vielversprechenden Außenseitern, die sich ebenfalls berechtigte Chancen auf Top-ten-Plätze ausrechnen. Diese haben zwar „nur“ für den Österreichischen Rallye Cup der AMF (ORC) genannt, können dabei aber – bedingt durch eine Regeländerung – ab jetzt auch Punkte in der Österreichischen Rallye Meisterschaft (ORM) sammeln. Gerwald Grössing tauscht sein WRC diesmal gegen den betriebsmäßig günstigeren Mitsubishi Evo IX und sieht sich deshalb nicht im unmittelbaren Favoritenkreis. „Die Jännerrallye ist Kult und deshalb muss man da einfach dabei sein“, erklärt der Niederösterreicher seine Teilnahme. „Für ganz vorne wird es mit dem alten Evo aus dem 2005er Jahr nicht reichen, aber wir werden unser Bestes geben und versuchen, dabei Spaß zu haben. Die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass man gerade bei Schnee in Freistadt immer eine Chance hat, Punkte einzuholen, egal mit welchem Fabrikat. Da muss man schlau und vorausschauend fahren, das werde ich tun, und dann werden wir sehen, was am Ende rauskommt.“

Lokalmatadore haben große Ambitionen

Im Hintergrund freilich lauern noch zahlreiche Lokalmatadore aus der Region in und um Freistadt mit großen Ambitionen. Bäckermeister Ernst Haneder im Mitsubishi Evo IX ist voll motiviert: „Eigentlich bin ich ja schon im Rallye-.Ruhestand. Aber die Jännerrallye hat halt ihren unwiderstehlichen Reiz, Deshalb sitz ich nun doch wieder im Cockpit und hoffe, dass ich den einen oder anderen überraschen kann.“ Mario Traxl gibt seinem Mitsubishi Evo 5 die Sporen: „Das ist meine siebente Jännerrallye. Also auf mangelnde Routine kann ich mich wahrlich nicht ausreden. Ich freue mich jedenfalls drauf, als ob es meine erste wäre.“ Und der St. Valentiner Franz Irxenmayr wechselt von seinem ursprünglichen Metier, der Rundstrecke (Histo-Cup, P9 Challenge etc.), mit einem Mitsubishi Evo IX auf die Rallye-Piste: „Das ist mein erster Versuch, eine Rallye in dieser Länge zu bewältigen. Aber ich habe mit Claudia Dorfbauer eine sehr erfahrene Copilotin an meiner Seite. Es wird spannend und ich freue mich riesig auf die Jännerrallye.“ Aus Niederösterreich sagt auch Prioritätsfahrer Martin Kalteis im Mitsubishi Evo VII den ganz Großen den Kampf an.

In der ORM 2-WD rechnen sich der Amstettner Christoph Zellhofer im Suzuki Swift 1600 und der ungarische Spitzenfahrer Kristof Klausz, Peugeot 208 R2 Chancen aus. Ihre Gegner in der Klasse 4 sind u. a. der Oberösterreicher Christian Gassner im Ford Fiesta ST, der Slowake Ratislav Chvala im Peugeot 208 R2 und Dan Magos aus Rumänien in einem Dacia Logan.

 

 

 

 

 

 

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