Im Motorsport eine fixe Größe: Richard Lietz Themen:Motorsport Porsche-Werksfahrer Richard Lietz kommt aus Niederösterreich. - Foto: Porsche Von: Heinz Harauer 22. Januar 2016 MOTORSPORT. Richard Lietz, Gewinner des FIA World Endurance Cup für GT-Piloten kommt aus Niederösterreich. Den 21. November 2015 wird Richard Lietz nicht vergessen: Es war jener Tag, an dem der Niederösterreicher beim Sechsstundenrennen in Bahrain mit dem Gewinn des FIA Endurance World Cup den größten Erfolg seiner Karriere feierte. „Dieser Titel ist für uns alle der verdiente Lohn dafür, dass wir in dieser Saison auch nach Rückschlägen nie aufgehört haben zu kämpfen. Auch als wir in Le Mans auf einem Tiefpunkt waren, als uns viele schon abgeschrieben hatten, haben wir immer an uns geglaubt. Wie wir in der zweiten Saisonhälfte zurückgekommen sind, war grandios. Das geht nur mit so einem Team“, sagte Richard Lietz, der am 17. Dezember seinen 32. Geburtstag feierte. Werbung Vier Rennen musste Richard Lietz auf seinen ersten Saisonsieg warten. Erst auf dem Nürnburgring, der Hausstrecke des Porsche Team Manthey, ist der Knoten geplatzt. Mit seinem Erfolg auf dem Eifelkurs hat der Österreicher im August erstmals die Führung im FIA World Endurance Cup übernommen, der hart umkämpften Fahrerwertung in der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC. Bei den Überseerennen hat er sie dann nicht mehr aus der Hand gegeben. Mit seiner für Beobachter wenig spektakulären, jedoch schnellen und extrem konstanten Fahrweise feierte Richard Lietz im Verlauf seiner Karriere in den verschiedensten Rennserien große Erfolge. Dabei hat nicht viel gefehlt, und er hätte sein Fahrtalent statt auf der Rundstrecke auf Rallyepisten entfaltet. Nur weil er einst mit 16 Jahren noch zu jung fürs Rallyefahren war, ist er in die Formel BMW eingestiegen. Dass er im Motorsport landen würde, war jedoch irgendwie logisch: Sein Opa Alfred ist mit einem Porsche 550 Spyder Bergrennen gefahren, Vater Christian war mit einem eigenen Team in der Österreichischen Rallye-Meisterschaft unterwegs. Auch sein Bruder Philipp, nach dem Bahrain-Rennen via Facebook einer der ersten Gratulanten zum Titelgewinn, ist begeisterter Motorsportler. Dass er seine Lebenspartnerin Heidi auf dem Hungaroring kennengelernt hat, passt ins Bild. Es waren allerdings nicht nur die familiären Gene, die Richard Lietz zum Rennfahrer machten. Auch dass er fern aller Großstadt-Versuchungen in Ybbsitz aufgewachsen ist, einer 3500-Seelen-Gemeinde des niederösterreichischen Mostviertels, hat sicherlich mit dazu beigetragen. „Die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung für junge Leute sind dort recht überschaubar“, sagt er. „Doch wir haben wunderschöne, naturbelassene Straßen, auf denen man das Autofahren noch genießen kann. Deshalb kommen viele Motorsportler aus unserer Gegend.“ Als Lietz 2007 Porsche-Werksfahrer wurde, nachdem er in den Jahren davor im Carrera Cup und Supercup mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatte, ging für ihn ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Er war dankbar für das Vertrauen, das Porsche in ihn setzte und machte sich sofort daran, diesen Vertrauensvorschuss möglichst schnell zurück zu zahlen. Mit Erfolg: Erst gewann er bei den 24 Stunden von Le Mans die Klasse GT2, dann holte er den Gesamtsieg bei den International GT Open. Damit war er in kürzester Zeit angekommen im exklusiven Kreis der weltbesten GT-Piloten. Mit den Erfolgen stiegen die Erwartungen. Doch Richard Lietz, der vorzugsweise beim Klettern und Laufen Kraft und Kondition tankt, war immer weit davon entfernt, die Bodenhaftung zu verlieren. Im Gegenteil: Er ist keiner, der sich selbst zu wichtig nimmt, ein positiv denkender Mensch, der Fehler, wenn sie schon mal passieren, immer zuerst bei sich selbst sucht. Sein Teamkollege Michael Christensen, mit dem zusammen er in dieser Saison drei WEC-Rennen gewonnen hat, sagt: „Richard ist ein Freund und Teamkollege, wie man ihn sich nur wünschen kann.“ In allen Rennserien zuhause Der Österreicher ist ein Mann für alle Fälle – und für alle Rennserien: 2009 gewann er die Le Mans Series (Klasse GT2) und verteidigte diesen Titel im Jahr darauf erfolgreich. 2012 holte er seinen ersten von bisher zwei GT-Siegen beim 24-Stunden-Klassiker in Daytona, zwei weitere Klassensiege in Le Mans folgten 2013 und 2014. Als Porsche im Oktober 2015 mit dem ersten Gesamtsieg beim US-Klassiker Petit Le Mans ein historischer Erfolg gelang, gehörte er zum Sieger-Trio. Porsche-Motorsportchef Dr. Frank-Steffen Walliser schätzt an Richard Lietz seine Bodenständigkeit und sein analytisches Denken – und dass er nicht nur wegen seiner 183 Zentimeter Körpergröße immer über den Tellerrand hinausblickt: „Für ihn hört die Welt nicht am Ende der Boxengasse auf.“ Ihn freut nicht nur seine starke Leistung auf der Rennstrecke, sondern auch das große Vertrauen, das er bei seinen Teamkollegen genießt und wie er sich in die Porsche-Motorsportfamilie einbringt: „Wenn unsere Fahrer etwas optimiert haben wollen, dann kommt in der Regel Richard auf mich zu und wir beraten, wie wir es umsetzen können.“ Der Gewinn des FIA Endurance World Cup ist für Richard Lietz der bislang größte Erfolg seiner Karriere. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihn das als Persönlichkeit verändert, tendiert gegen Null. „So einen Titel kannst du nur gewinnen, wenn du ein starkes Team hinter dir hast, das den Erfolg so sehr will wie du selbst“, sagt er. So sehr wie über seinen Titelgewinn freut er sich deshalb darüber, dass das Porsche Team Manthey in Bahrain die Teamwertung für sich entscheiden konnte. Einen Hauch von Wehmut verspürt er nur darüber, dass er nicht zusammen mit Michael Christensen als weltbester GT-Fahrer ausgezeichnet wurde. Schließlich hat er mit ihm seine drei Saisonsiege geholt. Doch weil der Däne parallel zum WEC-Rennen in Spa bei Porsche North America in der Tudor United SportsCar Championship aushelfen musste, hatte Richard Lietz am Ende einige Punkte mehr auf dem Konto als sein Teamkollege. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, die er 1998 im Kart begonnen hat und die über die Formel BMW, die Österreichische Rallye Challenge und die Formel 3 zu Porsche führte, hat Richard Lietz einige der bedeutendsten Sportwagenrennen der Welt gewonnen – und mit der WEC jetzt auch wieder eine hochklassig besetzte internationale Meisterschaft. Er lebt und liebt, was er tut. Wenn er den einen oder anderen Rennfahrerkollegen über Motivationsprobleme philosophieren hört, kann er nur den Kopf schütteln. „Ich muss mich vor einem Rennen nicht extra motivieren“, sagt er. „In einem Porsche zu sitzen und zu wissen, dass ich eine so traditionsreiche Marke auf der Rennstrecke repräsentieren darf, war für mich schon immer Motivation genug.“ Oliver Hilger Werbung Wilder Punktekampf zwischen Hofer und BortolottiPlatz 6 für Hofer beim Heimrennen in SpielbergJäger triumphiert bei der ADAC GT4 in SpielbergDie große Show des Zauberlehrlings Erste Teams in Freistadt – das Rallye-Fieber steigtWieder Neuerungen bei der Jänner RallyeRallye W4 zählt auch 2019 zur StaatsmeisterschaftJanus Baumanis war auch in Kapstadt wieder topPremiere von Christoph Zellhofer vorzeitig beendetGroßes Kino schon im ersten DurchgangTolles Wetter für Fahrer und Fans vorausgesagtEin bewährtes Duo leitet die erste Rallye W4