Leichtathletik-WM in Peking mit fünf ÖLV-Athleten

Gerhard Mayer (SVS) bestreitet in Peking seine vierte Weltmeisterschaft Foto: ÖLV.
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LEICHTATHLETIK. Von 22. bis 30. August gehen in Peking, China, die 15. IAAF Leichtathletik Weltmeisterschaften in Szene. Österreich ist mit fünf Athleten vertreten. Schauplatz für die Stadionbewerbe und Ziel für die Lauf- und Gehbewerbe ist das berühmte „Vogelnest“-Stadion.

„Mit fünf Athleten haben wir ein größeres Team als bei den letzten vier Weltmeisterschaften, obwohl die Qualifikation durch die neue Limit-Politik der IAAF deutlich schwieriger geworden ist. Ich hoffe, dass sich der Aufwärtstrend in der Österreichischen Leichtathletik der letzten Monate in Peking auch in den Resultaten widerspiegelt“, sagt ÖLV-Prä¤sident Ralph Vallon. Seit den Weltmeisterschaften in Osaka 2007 waren jeweils nur zwei bis vier ÖLV-Teilnehmer am Start.

Diskuswerfer Gerhard Mayer und Hürdensprinterin Beate Schrott bringen viel internationale Erfahrung ins Team. Mit Jennifer Wenth, Lukas Weißhaidinger und Edwin Kemboi sind drei Athleten dabei, die noch nie bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen am Start waren.

Finalchancen sind durchaus vorhanden

„Wir haben Finalchancen in Peking, auch wenn es hochgesteckt ist, aber das muss unser Ziel sein“, sagt Gregor Högler, ÖLV-Vizepräsident Leistungssport. „Bei den Werfern kommt es auf die Tagesverfassung an. Beide haben die Möglichkeit, das Finale zu erreichen. Für Lukas Weißhaidinger ist es extrem wichtig, Erfahrung auf diesem Niveau zu sammeln. Es wird eine Weite zwischen 62,50 und 63 Meter nötig sein, um die Qualifikation zu überstehen. Jennifer Wenth ist in sehr guter Form und hat immer beim Großereignis gute Rennen gezeigt. Ein Finaleinzug über die Zeitregel ist im Bereich des Möglichen. Beate Schrott ist sehr erfahren und wieder in guter Form. Sie kann sich selbst gut einschätzen und hat gezeigt, dass sie bei Großeevents stark auftreten kann. Für Edwin Kemboi geht es darum, sich bei seiner ersten internationalen Meisterschaft gut zu präsentieren“

Den Auftakt fü das ÖLV-Team bestreitet gleich am Samstag, 22. August Edwin Kemboi im Marathon, dem ersten Bewerb der Titelkämpfe. Spannend wird es wieder am Donnerstag, 27. August, wenn Lukas Weißhaidinger und Gerhard Mayer die Diskuswurf-Qualifikation bestreiten, Jennifer Wenth im 5000m-Vorlauf startet und Beate Schrott über 100m Hürden sprintet.

Routinier Gerhard Mayer bei vierter Weltmeisterschaft

Gerhard Mayer ist der Routinier im österreichischen Team. Seit 2008 war er durchgehend bei allen Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften am Start. Er ist auch einzige aus dem WM-Team, der Peking und das „Vogelnest“ bereits von den Olympischen Spielen 2008 kennt. „Das ist ein großer Vorteil. Ich weiß, wie es dort ausschaut und kenne die Abläufe und Wege. Das gibt mir Sicherheit“, sagt er. Nach einem schwierigen Jahr 2014 hat er sich heuer mit einem Paukenschlag zurückgemeldet. Sein Wurf auf 67,20 Meter bei idealen Bedingungen am 5. Mai in Schwechat hat als damalige Jahresweltbestleistung und ÖLV-Rekord für Schlagzeilen gesorgt. In der Weltrangliste liegt er damit immer noch an sechster Stelle. Mit 62,28 Meter gelang ihm auch beim Liese-Prokop-Memorial in St. Pölten ein starker Auftritt. Als einziger ÖLV-Athlet hat Mayer heuer Starts in Hauptbewerben der IAAF Diamond League absolviert. Mit den Rängen sechs in London (61,88m) und sieben in Stockholm (60,49m) konnte er sich gegen internationale Konkurrenz gut verkaufen. „Ich will einen super Wettkampf abliefern und so weit wie möglich kommen. Ich freue mich sehr, dass ich wieder in guter Form zu einer WM komme. Ich habe auch das ganze letzte Jahr gewusst, dass noch etwas geht. Es wird in jedem Fall ein spannender Wettkampf, in dem auch wir Öterreicher mitreden können. Bis auf Malachowski war niemand wirklich herausragend“, so Mayer.

WM-Premiere für Kaumbergerin Jennifer Wenth

Jennifer Wenth hat die letzten Jahre eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung vollzogen. Bei der Freiluft-EM in Zürich 2014 über 5000 Meter und bei der Hallen-EM in Prag 2015 über 3000 Meter sind ihr als Elfte bzw. Neunte jeweils die besten ÖLV-Platzierungen gelungen. Mit persönlicher Bestzeit von 15:16,12 Minuten am 18. Juli in Heusden, Belgien, schaffte sie den erhofften Sprung unters WM- und Olympialimit von 15:20,00 Minuten. „Ich habe damals eine Zeit von 15:25 für möglich gehalten, darum bin ich befreit und ohne Druck gelaufen“, sagt sie. Peking wird ihr erster WM-Start in der Allgemeinen Klasse. Bei den U20-Weltmeisterschaften 2010 hat sie jedoch bereits zwei Finalplatzierungen erreicht. „Ich will mich bestmöglich verkaufen und so lange es geht, in einer Gruppe laufen und Kontakt halten. Viele Läuferinnen sind in der Meldeliste nicht hinter mir, aber vielleicht gibt es die Chance, über die Zeit in den Bereich des Finalaufstiegs zu kommen. Meine Form ist sicher besser als vor einem Jahr“, so die 24-jährige Niederösterreicherin, die von Karl Sander trainiert wird.

Beate Schrott mit Semifinale als Ziel

Nach verletzungsbedingt schwierigen Jahren hat Hürdensprinterin Beate Schrott heuer wieder aufgezeigt. Mit 12,92 Sekunden ist ihr der Sprung unter die 13-Sekunden-Marke und damit unter das WM- und Olympialimit gelungen. Die nachträgliche Zuerkennung von EM-Bronze 2012 war ein zusätzlicher Schub für die 27-jährige St. Pöltnerin, die seit heuer in den Niederlanden lebt und dort bei US-Coach Rana Reider trainiert. „Ich freue mich schon sehr auf die WM. Es ist das Großereignis, auf das wir das ganze Jahr hingearbeitet haben. Mein persönliches Ziel ist das Semifinale. Ich glaube nicht, dass das Finale heuer realistisch ist. Meine Zeiten waren etwas wechselhaft, einmal gut, dann wieder nicht. Ich hoffe, dass mir in Peking ein guter Lauf gelingt“, sagte Beate Schrott. Ab 11. August hat sich die ÖLV-Rekordlerin bei einem einwöchigen Vorbereitungscamp in Chiba, Japan, auf die Weltmeisterschaften eingestimmt und u.a. mit der britischen 100-m-Hürden-Europameisterin Tiffany Porter sowie dem niederländischen Team trainiert.

Edwin Kemboi erstmals im Österreich-Dress

Erstmals bei einer internationalen Meisterschaft und erstmals im Österreich-Dress: Marathonläufer Edwin Kemboi erlebt in Peking eine zweifache Premiere. Mit 2:14:05 Stunden hat er sich heuer im Jänner beim Dubai-Marathon für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Im April startete er beim Linz Marathon, wo er in einem dosierten Rennen in 2:21:03 Stunden die Staatsmeisterschaftswertung gewonnen hat. Seither bereitete er sich in Kenia gezielt auf den WM-Start vor. „Die Vorbereitung ist sehr gut und ohne Verletzungen verlaufen. Das ganze letzte Jahr war ich verletzt und bin mit Schmerzen gelaufen. Diesmal passt alles, jedoch werden die Bedingungen in Peking extra hart sein“, sagt er. Neu ist für ihn der Kampf um Positionen in einem Meisterschaftsrennen: „In einem ’normalen‘ Marathon laufe ich immer nur auf Zeit und gegen mich selbst. Ich hoffe auf einen moderaten Beginn mit einer großen Gruppe, in der ich länger mitlaufen kann.“ Emotional wird ihm sein erster internationaler Auftritt sicher im Gedächtnis bleiben. „Dieser Start ist wirklich etwas Besonderes für mich. Ich werde alles geben“, verspricht der 31-Jährige. Edwin Kemboi stammt aus Iten in Kenia. Er ist seit 2013 mit der Kärntnerin Anja Prieler-Kemboi verheiratet und hat am 3. Juni 2014 die Österreichische Staatsbürgerschaft erhalten.

ÖLV WM-Zeitplan Peking (Angaben in MESZ)

Samstag, 22. August:
01:35 Uhr Marathon Mä¤nner Kemboi

Donnerstag, 27. August:
03:30 / 04:50 Uhr Diskus Quali: Mayer, Weißhaidinger
03:40 Uhr 5000m Vorlauf Wenth
05:15 Uhr 100mH Vorlauf Schrott

Freitag, 28. August:
13:25 Uhr 100mH Semifinale Schrott
15:35 Uhr 100mH Finale Schrott

Samstag, 29. August:
13:50 Uhr Diskus Finale Mayer, Weißhaidinger

Sonntag, 30. August:
13:15 Uhr 5000m Finale Wenth

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