Der Voithplatz geht nach 65 Jahre „in Pension“

Am Voithplatz gehen nun endgültig die Lichter aus. - Foto: FSK
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FUSSBALL. Nach 65 Jahren Fußball am Voithplatz endet am Samstag die Zeit des Voithplatzes mit der Meisterfeier des FSK.

1951 eröffnet, von 1989 bis 1994 Bundesligastadion. Danach dauerte es mehr als zehn Jahre, bis man wieder Spitzenfußball am Voithplatz zu sehen bekam. Diesen gab es über die Jahre zahlreich zu bestaunen, neben Mario Kempes kickten auch Größen wie Herbert Prohaska, Heribert Weber oder Hansi Müller am Spratzener Kirchenweg. Die letzten Jahre wurden von überschaubarem Zuschauerinteresse dominiert, nur in der Champions League lockte man noch die Massen ins Stadion. Samstag endet die 65-jährige Geschichte des Voithplatzes stilvoll mit der Meisterfeier des FSK St. Pölten.

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Bereits längere Zeit wurde gemunkelt, dass es bald vorbei sein könnte am Voithplatz, der Kultstätte des St. Pöltner Fußballs. Es war der wohl letzte bundesligataugliche Fußballplatz der „guten alten Zeit“. Besonders ältere Fans und Familienväter mittleren Alters bekommen bei der Adresse „Spratzerner Kirchenweg 25“ leuchtende Augen. Sie alle waren Zeugen der großen Zeit, als man nicht nur in der Bundesliga spielte, sondern auch die eine oder andere große Mannschaft ärgern konnte.

Begonnen hat alles jedoch viel früher. 1950 wurde eigens für den Betriebssportverein Voith ein Fußballplatz im Herzen der späteren Landeshauptstadt errichtet. Das Eröffnungsspiel im Jahr darauf gewann man souverän mit 18:1 gegen Rabenstein, dem heutigen Gebietsligaklub. Namen wie Franz Viskovsky, Ossy Kirner, Adi Starkbaum, dem Teamspieler „Max“ Geyer oder der eigenwillige Goalie Rudolf Vavrovsky sind den älteren Fußballfans noch immer ein Begriff.

1973 schloss sich der BSV Voith mit SC Furthner Schwarze Elf zum VSE St. Pölten zusammen. Die großen Erfolge sollten jedoch erst später kommen. Zuvor gab es 1982 das erste internationale Bewerbsspiel am Voithplatz. Admira Wacker trug damals sein Heimspiel im Intertoto-Cup gegen IFK Norrköping aus – die Admiraner gewannen schlussendlich mit 1:0. Im Jahr darauf war der Spratzerner Kirchenweg sogar Austragungsort des U21 EM-Qualifikationsspiels Österreichs gegen Deutschland. Auf Seiten der Gäste stand der spätere Weltfussballer Lothar Matthäus im Kader, trainiert wurde die deutsche Elf von Berti Vogts. Das Spiel endete schließlich mit 1:1, es war einer von nur zwei Zählern die Österreichs U21 in dieser EM-Quali einfuhr.


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Kempes bringt  WM-Flair auf Voithplatz

In der Saison 1987/88 sicherte sich der VSE den Aufstieg in die höchste Liga Österreichs. Gleich beim Debüt in der Bundesliga besiegte man vor 7000 Zusehern den SK Rapid, mit Stars wie Konsel, Pecl, Weber, Krancjar oder Pfeiffenberger, 1:0. Goldtorschütze war der wohl größte Star in der Geschichte des St. Pöltner Profifußballs – Mario Kempes. Neben dem Argentinier standen auch weitere große Fußballer auf der Gehaltsliste des VSE St. Pölten: Zwei Saisonen kickte Antonin Panenka in der niederösterreichischen Landeshauptstadt, ebenso wie Walter Schachner, Alfred Tatar, der heutige SKN-Sportdirektor Frenkie Schinkels oder auch Dieter Ramusch. Paralell zum Kempes-Engagement in St. Pölten, verdiente auch Österreichs bisher einziger Torschütze bei einer EURO-Endrunde, Ivica Vastic, seine ersten Sporen im Profifußball. Auch FSK-Coach Hannes Spilka war beim VSE aktiv und absolvierte einige Spiele am Voithplatz. Die Rekordkulisse von 10.000 Zusehern knackte man in der Aufstiegssaison gegen FC Tirol, unter Trainer Ernst Happel, auch drei Tage später erreichte man gegen Austria Wien erneut die Rekordmarke.

Ab den 1990er-Jahren war die große Zeit der St. Pöltner allerdings wieder vorbei. 1994 stieg man aus der Bundesliga ab und fand sich fortan in der zweithöchsten Spielklasse wieder. Dort war man immer wieder am Sprung zurück in die Bundesliga, musste jedoch stets anderen den Vortritt lassen. Nach dem Debakel rund um Flash St. Pölten endete 1999 die Zeit des VSE St. Pölten. Fortan musste man wieder kleinere Brötchen backen und sich aus dem Amateurfussball nach oben kämpfen. 2003 schaffte man als SKN St. Pölten das Comeback in der Regionalliga Ost, damals unter Trainer Frenkie Schinkels. Dennoch sollten die Zeiten des SKN die letzten Jahre des Voithplatzes einläuten. Bevor man 2008 unter Trainer Martin Scherb den Aufstieg in die Erste Liga schaffte, gab es noch Sternstunden im Pokal gegen Bregenz, Salzburg und Admira/Wacker.
Ein letzter Höhenflug mit dem dem FSK St. Pölten-Spratzern


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Ein letztes Aufflackern der „guten alten Zeit“ erlebte der Voithplatz mit dem Spielen des FSK Simacek St. Pölten. Nachdem man ab 2013 mit dem SKN kooperierte, trug man fortan die Heimspiele am Spratzener Kirchenweg aus. Ein letztes Mal noch gut besucht war das Stadion bei den Duellen in der UEFA Women´s Champions League gegen Torres Calcio und Verona, wo man jeweils 1000 Fans an die alte Wirkungsstätte des VSE locken konnte. Neben dem FSK liefen auch die Juniors des SKN St. Pölten am Voithplatz auf, verließen den Spratzener Kirchenweg jedoch letzten Winter in Richtung Obergrafendorf.

Mit der Meisterfeier des mehrfachen Meisters und  ÖFB-Ladies-Cup-Sieger erlebt der Voithplatz ein würdiges Ende, nach zahlreichen Jahren mit denkwürdigen Spielen und vielen Geschichten. Nach 65 Jahren schließt sich im Sommer ein Kapitel St. Pöltner Fußballgeschichte für immer. Dann wird am Standort nicht mehr viel an die glorreichen Zeiten des VSE erinnern. Zuvor möchte man sich beim FSK St. Pölten jedoch standesgemäß von der in die Jahre gekommenen Kultstätte verabschieden, am besten mit einem Sieg um anschließend den Teller entgegennehmen zu können. Und St. Pölten sagt „Danke“ für 65 tolle Jahre am Voithplatz.

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