Fans stürmten die Wechselland-Rallye in Pinggau

Raimund Baumschlager (Bild) musste Hermann Neubauer den Vortritt lassen. - Foto: Harald Illmer
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MOTORSPORT. Rallyefans stürmten die OPEL Wechselland-Rallye: Hermann Neubauer besiegt Raimund Baumschlager bei der Polo-Premiere. 

Die Wechselland-Rallye erfüllte alle Erwartungen: Beim weltweit ersten Privateinsatz des VW Polo R WRC gab es Spannung bis zur letzten Sonderprüfung, Regen und Nebel macht aus der ersten Etappe ein wahres Abenteuer, am niederschlagsfreien Samstag wurde in nahezu allen Kategorien bis zum Schluss hart gefightet.

Die Veranstalter, die Familie Stengg, darf sich über ein riesiges Faninteresse freuen. „So viele Zuschauer waren noch nie in Pinggau“, stellte Willi Stengg junior fest– und auch Österreichs Rallye-Prominenz wollte sich diese geschichtsträchtige 22. Ausgabe der Kultrallye nicht entgehen lassen: Gesichtet wurden unter anderen Franz Wittmann senior, Jörg Pattermann oder auch Rudi Stohl.

Sportlich hatte ein entschlossen fahrender Hermann Neubauer im ältesten der vier World Rally Cars von Beginn an stets die Nase vorne, allerdings blieb Raimund Baumschlager im VW Polo R WRC stets in Schlagdistanz. Vier der 15 Bestzeiten ließ sich Baumschlager gutschreiben, darunter auch die Powerstage am Schluss. Neubauer eroberte sieben Bestmarken und verzichtete auf der Powerstage darauf, den historischen Sieg zu gefährden.

Der regierende Staatsmeister erklärte dann auch: „Dieser Sieg hier, mit dem ältesten Auto in einem unglaublichen Duell mit Raimund Baumschlager im VW Polo WRC ist für mich von großer Bedeutung, im Grunde ist das mein wertvollster Sieg!“ Neubauer übernahm damit auch die Führung in der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft (ORM) und liegt nun vier Zähler vor Baumschlager sowie zehn Punkte vor Andi Aigner.

Raimund Baumschlager hatte vor allem am ersten, wahrlich abenteuerlichen ersten Tag mit Regen und Nebel und der unheimlich schwierigen Hochwechsel-Prüfung einen denkbar schwierigen Einstieg in die „Liebesbeziehung“ mit dem neuen Auto, am Samstag wurden die Bedingungen weniger unberechenbar, doch da musste sich der Rekordstaatsmeister in erster Linie an den neuen Boliden gewöhnen – und mit ihm Ogiers ehemaliger Leibingenieur. Baumschlager erläutert: „Der Polo fuhr im Vorjahr auf Michelin-Reifen – wir fahren jedoch Pirelli und so gibt es keine Vergleichswerte aus dem Vorjahr, wir betreten somit Neuland und ich lerne mit jedem Kilometer dazu. Auch im Schneebergland, auf Schotter, werden wir ohne Erfahrungswerte auskommen müssen. Doch ich finde es unheimlich interessant und ich freue mich sehr über das große Interesse der Fans. Hermann ist sehr stark gefahren – man hat draußen auf den Prüfungen gesehen, dass wir derzeit alle am Limit fahren, für die Fans ist das natürlich großartig.“

Gerwald Grössing auf dem Podium

Einen Podiumsplatz bei dieser geschichtsträchtigen Wechselland-Rallye hatte Gerwald Grössing im Vorfeld aus eigener Kraft de facto ausgeschlossen, doch letztendlich zeigte sich auch hier, dass die reine Papierform im Rallyesport oftmals über den Haufen geworfen wird. Und so konnte der Niederösterreicher nicht nur eine Bestzeit in den Asphalt brennen, sondern tatsächlich Platz drei belegen. “Wir sind eine sehr gute Rallye gefahren – jetzt freuen wir uns auf die Schneebergland-Rallye“, erklärte ein sichtlich zufriedener Grössing.

Lokalmatador Daniel Wollinger lieferte in der Staatsmeisterschaft für zweiradgetriebene Fahrzeuge (ORM2WD) wie schon bei den ersten beiden Saisonläufen eine souveräne Vorstellung und zog letztendlich die Maximalpunkteausbeute an Land, sodass er bereits 22 Punkte Vorsprung auf seinen stärksten Verfolger, Michael Kogler, aufweist.

Ein spannendes Duell um den zweiten Platz der ORM2WD lieferten Michael Kogler im Citroen DS3 R3T max und Julian Wagner im OPEL Adam R2. Völlig problemlos lief es bei keinem der beiden. Zunächst hatte Wagner auslaufende Bremsflüssigkeit just auf dem selektiven ersten Durchgang der ersten Etappe, am zweiten Tag kämpfte Kogler mit einem losen Heck, fabrizierte sogar wieder einen seiner Highspeed-Dreher, während Wagner am Ende den Ausfall der Gegensprechanlage zu beklagen hatte. Kogler lag die meiste Zeit auf Platz zwei, ehe ihn Wagner vor dem letzten „Ringerl“ abfangen konnte – doch auf der Powerstage konnte Kogler seinem Kontrahenten 8,7 Sekunden abknöpfen und so Platz zwei zurückerobern. „Wir konnten am Ende noch maximale Schadensbegrenzung erreichen – Daniel fuhr jedoch zu stark an diesem Wochenende“, musse Kogler eingestehen. Wagner war letztendlich auch mit Platz drei der ORM2WD zufrieden, zumal er damit in der Junioren-Staatsmeisterschaft einen weiteren überlegenen Sieg und seinen Vorsprung ausbauen und auch im OPEL Rallye Cup einen klaren Sieg feiern konnte.

Kris Rosenberger siegt in der HRM-Klasse

Ebenfalls großartig fuhr Ex-Staatsmeister Kris Rosenberger im historischen Porsche. Am Ende feierte er nicht nur einen überlegenen HRM-Sieg, sondern auch Platz 14 gesamt. Bis zur 14. Prüfung lag sein großer Gegenspieler Willi Rabl auf Platz zwei, wenngleich abgeschlagen, doch dann musste Rabl mit Defekt abstellen.

Der spektakuläre Unfall von Michael Denk am Freitag blieb glücklicherweise ohne schlimme Folgen: Denk musste über Nacht im Krankenhaus bleiben, war am Samstag jedoch wieder im Servicepark anzutreffen. Da sein Auto ein Totalschaden ist, wird er heuer nicht mehr antreten. Komplett zerstört wurde auch das Auto von Martin Ritt, auch er musste nur kurz ins Krankenhaus.

Ergebnis Wechselland-Rallye 2017:

 1. Hermann Neubauer/Bernhard Ettel (A/A, Ford Fiesta WRC) 1:30:38,4 Stunden
 2. Raimund Baumschlager/Pirmin Winklhofer (A/A, VW Polo R WRC)   +8,7 Sekunden
 3. Gerwald Grössing/Josefine Corinn Beinke (A/D, Ford Fiesta WRC) +47,5
 4. Andreas Aigner/Ilka Minor (A/A, Ford Fiesta WRC) +1:25,9 Minuten
 5. Niki Mayr-Melnhof/Poldi Welsersheimb (A/A, Ford Fiesta R5) +3:10,5
 6. Daniel Wollinger/Patrick Forstner (A/A, Renault Clio R3)  +11:03,2
 7. Michael Kogler/Jennifer Hofstädter (A/A, Citroen DS3 R3T max)+12:44,2
 8. Julian Wagner/Anne Katharina Stein (A/D, Opel Adam R2)   +12:46,3
 9. Günther Knobloch/Jürgen Rausch (A/A, Subaru Impreza WRX M1)  +13:03,6
10. Robert Zitta/Peter Stemp (A/A, Subaru Impreza WRX) +13:07,3

Punktestände:

ORM: 1. Neubauer 53, 2. Baumschlager 49, 3. Aigner 43, 4. Grössing 35, 5. Mayr-Melnhof 27.

ORM2WD: 1. Wollinger 83, 2. Kogler 61, 3. Wagner 48.

Junior ORM: 1. Wagner 75, 2. Klausz 36, 3. Waldherr 30.

ORC 1: 1. Knobloch 68, 2. Derler 30, 3. Kalteis 25

ORC2: 1. Windisch 48, 2. Röck 45, Hrvatin 43.

HRM: 1. Rosenberger 80, 2.Göberndorfer 41, 3. Jiratko 28.

HRC: 1. Pasutti

OPEL Adam R2 Cup: 1. Wagner 56, 2. Waldherr 38, 3. Hinterhofer 17.

OPEL Corsa OPC Rallye Cup: 1. Rieder 47, 2. Kainer 46, 3. Scheidhammer 27.

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